Warum hasst jeder KI?
Ich habe kürzlich Episode 692 vom Accidental Tech Podcast gehört, und ein Thema ist „Why does everyone hate AI?“. Und ich fühlte mich da sehr abgeholt.
Bei uns in der Firma testen wir aktuell gefühlt alles: Gemini, Claude Code, OpenAI Codex, GitLab Duo, CodeRabbit und noch einiges mehr. Und ich selbst habe erst vor kurzem mit Claude Code eine komplette Website umgebaut, um zu schauen, was geht. Ich nutze KI also durchaus aktiv — und trotzdem werde ich der ganzen Entwicklung gegenüber eher skeptischer als euphorischer.
Weil inzwischen vieles wirkt wie ein gigantischer Push ohne Rücksicht darauf, ob Menschen das überhaupt wollen. KI steckt plötzlich in jeder App, jedem Editor und jeder Präsentation. Oft nicht, weil es ein Problem löst, sondern weil gerade niemand der nächste sein will, der den Trend verpasst.
Was mich ja persönlich – vor allem hier vor Ort – zunehmend stört: wie schnell professionelle kreative Arbeit entwertet wird. Denn gerade im Designbereich sieht inzwischen gefühlt jedes zweite Plakat, jeder Flyer und jede Social-Media-Grafik gleich aus — glatt, generisch, überinszeniert und sofort als „KI-Look“ erkennbar. Nicht weil Designer plötzlich schlechter geworden sind, sondern weil vielerorts lieber schnell irgendein Prompt rausgehauen wird, statt für gute Gestaltung zu bezahlen. Interessanterweise gibt es inzwischen sogar Forschung dazu, dass generative AI zu einer Art kreativer Homogenisierung führt.
In der ATP-Folge ging es auch um einen Moment, der die KI-Abneigung ziemlich gut zeigt: Der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt wurde bei einer Abschlussrede ausgebuht, als er über KI und ihre Zukunft sprach. Nicht online. Nicht in sozialen Medien. Vor Ort. Von Studierenden.
Wie John Siracusa so schön sagt, es gebe viele Gründe, Eric Schmidt auszubuhen. Aber ehrlich gesagt überrascht mich das insbesondere beim KI-Thema gar nicht. Da sind Absolventen einer Hochschule, die viele Jahre für ihren Abschluss gearbeitet haben, nur um dann gesagt zu bekommen, dass ihre Jobs auch eine KI übernehmen kann.
Viele Menschen haben offenbar gerade das Gefühl, dass KI vor allem dafür genutzt wird, Arbeit billiger zu machen, kreative Prozesse zu entwerten und das Internet mit generischem Content zu fluten – der Begriff AI slop kommt schließlich nicht von ungefähr. Gleichzeitig wird jede Kritik daran schnell als „technikfeindlich“ abgetan. Ich glaube aber, die meisten Leute mögen Technologie eigentlich sehr. Sie mögen nur nicht das Gefühl, langsam austauschbar zu werden. Und genau deshalb wird die Stimmung gegenüber KI rauer — selbst unter Leuten, die sie (noch) täglich benutzen.
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